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Ungewollter Besuch im Garten?

In der Natur gibt es keine Schädlinge, alles verläuft mit dem Ziel, ein möglichst stabiles Ökosystem zu etablieren. Die am jeweiligen Standort lebenden Organismen versuchen, ihr Überleben zu sichern und sich optimal zu vermehren. Wir Gärtner greifen durch unsere Maßnahmen in den Standort ein. Manche unserer Eingriffe rufen, mit unseren Augen gesehen, „Gegenangriffe“ hervor; dann sprechen wir von Schadpilzen, Schadinsekten oder Unkräutern. Hier folgen nun ein paar Tipps um den deinen Garten bestmöglich zu verteidigen:

28.06.2019
Ungewollter Besuch im Garten?

Natürlich dürfen wir unsere Kulturpflanzen vor der „feindlichen Übernahme verteidigen“, wir sind ja auch Teil des Ökosystems und wollen ernten und essen.Hier ein paar Beispiele von sogenannten Schadorganismen, die am häufigsten in den Gärten vorkommen:

 

Blattlaus:

Sie sind kleine Insekten, deren Saugtätigkeit an den Pflanzen zu Ertrags- und Qualitätsverlusten führen kann. Blattläuse sind zudem die wichtigsten tierischen Überträger von Pflanzenviren. Es gibt sie in allen möglichen Arten, und man findet sie mal als braune, mal als grüne oder auch schwarze Tierchen. Sie können fast auf allen Gemüsesorten auftauchen. Am effektivsten bei der Bekämpfung sind dabei Nützlinge wie Florfliegen, Marienkäfer, Schlupfwespen und Schwebfliegen. Diese kannst du fördern, indem du ein Insektenhotel im Garten aufstellst. Solltest du viele Läuse auf deinen Pflanzen haben, dann wasche diese einfach mit Wasser ab. Läuse verschwinden oft auch nach einer Regenperiode ohne dein Zutun.

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Kohlweißling:

Der Kohlweißling ist ein Schmetterling, dessen Raupen Fraßschäden an den Kohlgewächsen verursachen und Tunnel in die Herzen der Pflanzen bohren. Manchmal bleiben dabei nur noch die Blattrippen übrig. Um zu vermeiden, dass diese Raupe Nimmersatt zu deinem Gemüse kommt, deckst du am besten das Kulturschutznetz über alle Kohlgewächse wie Kohlrabi, Rotkraut, Weißkraut.

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Erdfloh:

Erdflöhe sind die Verursacher von kleinen Fraßlöchern in den Blättern. Sie gehören zur Familie der Blattkäfer und können sich mit ihren kräftigen Sprungbeinen flohartig hüpfend fortbewegen. Vor allem der Raps-Erdfloh ist auf den Kulturen im Garten oft zu finden: Rucola, Radieschen, Rettich und auch Kohlarten. Wir empfehlen, ein engmaschiges Kulturschutznetz zu verwenden und regelmäßig zu hacken, denn das stört die Verpuppung der Larven im Boden. Erdflöhe schädigen am ehesten die jungen Gemüsepflanzen. Sobald die Pflanzen ein jugendliches Alter erreicht haben, können die Flöhe der Kultur nicht mehr viel anhaben.

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Drahtwurm, die Larve des Schnellkäfers:

Die Tiere fressen an den Wurzeln und bohren sich in den fleischigen Strunk der jungen Salatpflanze oder in die Rüben und Knollen von Karotten oder Kartoffeln. Bei Salat und anderen Gemüsejungpflanzen kann es durch Wurzelfraß zum Welken und Absterben der Pflanzen kommen. Der Befall mit dem Drahtwurm ist ein Standortproblem, denn der natürliche Entwicklungsort von Schnellkäfern sind das Grünland und Wiesen, was bei einigen unserer Standorte der Fall war. Vor allem auf neu angelegten Gemüsebeeten oder Ackerflächen, die vorher mit Rasen und Wiesen bewachsen waren, können Drahtwürmer in den ersten Jahren zur Plage werden. Bei enormen Ausfällen beim Salat kannst du uns gerne um Pflanzen zum Nachsetzen fragen, denn davon haben wir oft noch ein wenig mehr. Das zusätzliche Hacken im Mai/Juni kann auch helfen. Hacken stört die Larven bei der Verpuppung, bringt sie an die Oberfläche, sie trocknen aus oder sie werden von anderen Tieren gefunden und gefressen.

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Mehltau:

Dieser Pilz ist ein sogenannter Schönwetterpilz, das heißt, er bildet sich bei Wärme und Trockenheit. Zu erkennen ist er als abwischbarer, weißer, später schmutzig bräunlicher Belag auf den Blattoberseiten und den Blüten. Die Blätter werden braun und vertrocknen, die Blüten verkümmern. Bei starkem Befall können ganze Teile der Pflanze absterben. Sobald du befallene Pflanzenteile findest, entferne diese, um eine weitere Vermehrung zu vermeiden. Ist der Befall schon stärker, hemmt ein Gemisch aus einem Teil Bio-Milch und fünf Teilen Wasser das Wachstum des Pilzes. Einfach in eine Sprühflasche füllen und auf die befallenen Stellen auftragen.

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Schnecke:

Einer der unbeliebtesten Gartenbesucher ist wohl die rotbraune Nacktschnecke. Schnecken sind nachtaktive Tiere und lieben die Feuchtigkeit. Daher ist es besser, am Morgen als am Abend zu gießen. Neben dem Absammeln gibt es im biologischen Landbau eine erlaubte Maßnahme gegen die Schneckenplage: Ferramol, ein Eisen-III-Phosphat. Es wirkt effektiv im Kampf gegen die Schnecken und wird dann im Boden durch Mikroorganismen und spezielle Ausscheidungsprodukte der Pflanzen in pflanzenverfügbare Stoffwechselprodukte umgewandelt. Eisen und Phosphat sind Pflanzennährstoffe. Ferramol wird von uns zu Verfügung gestellt.

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Kraut- und Braunfäule:

Die Kraut- und Braunfäule ist eine der häufigsten Krankheiten an Tomaten- und Kartoffelpflanzen. Meist auf den unteren Blättern zeigen sich grünbraune Flecken, die sich rasch ausbreiten und zum Verbräunen und Absterben der Blätter führen. Auf den Blattunterseiten zeigt sich ein grauer Schimmelrasen. Auf den Früchten bilden sich braune, trockene, bis tief ins Fruchtfleisch eingesunkene Flecken. Bei der Kartoffel in deinem Garten ist die Krautfäule meist nicht bek.mpfenswürdig. Um diese Krankheit bei Tomaten zu vermeiden, ist es wichtig, dass die Blätter immer schön trocknen können. Gegebenenfalls solltest du die Pflanzen auslichten oder zurückschneiden, um eine bessere Durchlüftung zu gewährleisten. Am besten schützt du z. B. deine Tomaten durch eine stabil konstruierte Überdachung, die einerseits wind- und wetterfest ist und sich andererseits am Ende der Saison auch wieder entfernen lässt.

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Blütenendfäule:

Manchmal kommt die Blütenendf.ule bei Tomate, Zucchini, Kürbis und Paprika vor. Die Blütenendf.ule ist eine rein physiologische Störung, die durch Kalziummangel verursacht wird. Tomatenfrüchte zeigen an der Blütenansatzstelle einen dunkelbraunen bis grauen, wässrigen Fleck. Das Gewebe verändert sich, die Flecken vergrößern sich nach und nach und werden lederartig hart. Bei Tomate und Paprika sind die jungen Blätter deformiert und bleiben im Wuchs stecken. Entferne alle befallenen Früchte und streue um die Pflanze herum etwas Gesteinsmehl.

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Wühlmaus:

Wühlmäuse fressen an Pflanzen und Wurzeln und können manchmal großen Schaden anrichten. Der Wühlmaushaufen ist lang, niedrig, und man findet viele flache Gänge. Wühlmäuse reagieren sehr empfindsam auf Bewegungen und Störungen. Störend wirkt dabei vor allem unser Fußtritt. Auf Weiden und Sportplätzen gibt es deshalb auch sehr wenig bis keine Mäuse, da die Tiere den Tritt nicht mögen. Dieser Effekt tritt aber auch nicht gleich ein, sondern die Tiere verschwinden erst nach Monaten ständiger Störung. Auch mit kleinen Windrädern, die in der Erde stecken, bei der Drehung Bewegungen, Geräusche und Vibrationen erzeugen und diese direkt auf den Boden übertragen, kannst du einen Teil des Gartens wühlmausfrei halten.

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Maulwurf:

Der Maulwurf macht große, runde Haufen, seine Gänge sind breiter, als sie hoch sind. Die Gänge liegen tendenziell tiefer als die der Wühlmaus. Maulwürfe fügen den Pflanzen keinen direkten Schaden zu. Sie stehen unter Naturschutz und dürfen nicht bekämpft werden.

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Kartoffelkäfer:

In manchen Gärten kann es zu einer Kartoffelkäfer-Plage kommen, die Schädlinge können unsere Kartoffeln ganz schön „zusammenfuttern“. Die effizienteste Vorgehensweise ist das Entfernen aller Kartoffelkäfergelege. Betrachte die Blattunterseite und zerdrücke die Eigelege mit deinen Fingern. Auch Käfer und Larven sollst du absammeln und zerdrücken. Ideal für diese Arbeit sind die frühen Morgenstunden, wenn sich die Schädlinge noch in einem Zustand der Kältestarre befinden. Habe keine Bedenken hinsichtlich des „Tötungsaktes“. Jedes Mal wenn du mit deinen Füß en auf den Boden steigst, zertrittst du tausende von Mikroorganismen und auch manche Insekten, die dir im Garten nützlich sind. Du bist dir nur nicht der Tatsache bewusst und trotzdem tötest du sie, wenn du draufsteigst. Also, bitte keine falsch verstandene Tierliebe hinsichtlich der Kartoffelkäfer.

Woher kommen die Kartoffelkäfer? Krabbeln oder Fliegen die vom Nachbarn, der nicht absammelt, zu mir?

Ja, auch das gibt es. Daher sind ALLE Gärtner aufgerufen, die Käfer, Larven und Gelege zu töten. Im Herbst verkriechen sich die erwachsenen Käfer in kleinen Spalten oder unter Blättern am Boden. Sie können auch bis zu 60 cm tief im Erdreich überwintern. Im Mai krabbeln sie dann wieder aus ihren Verstecken hervor. Sie suchen Kartoffelpflanzen, beginnen sich zu paaren und hinterlassen die gelben Eigelege. Daraus schlüpfen die Larven. Im Verlauf der nächsten zwei bis vier Wochen entwickeln sich die Larven in verschiedenen Stadien, während sie sich vom Kartoffelkraut ernähren. Anschließend fallen sie zu Boden, um sich bis zu 30 cm tief darin zu vergraben. Nach etwa einem Monat kriechen sie als ausgewachsene Käfer wieder hervor, machen sich erneut über die Pflanzen her und vermehren sich fleißig weiter.

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